
Zitiert aus der Ausgabe 05/2026 der IHK Siegen:
Erfolgreiches Unternehmertum in bewegten Zeiten
Krisen gehören für Hartmut Egle längst zum unternehmerischen Alltag. Doch statt ihn auszubremsen, haben sie ihn und sein Unternehmen vor allem eines gelehrt: Anpassungsfähigkeit. Wandel ist für ihn keine Bedrohung, sondern eine Konstante, die er aktiv gestaltet und als Chance nutzt, neue Wege zu gehen.
Die Egle Werkzeugbau GmbH & Co. KG im Dreis-Tiefenbacher Gewerbegebiet „Hinterm Liesch“ ist ein Beispiel dafür, wie sich mittelständische Industriebetriebe auch nach mehr als 30 Jahren in herausfordernden Zeiten erfolgreich behaupten können. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten, struktureller Veränderungen im Markt und internationalen Wettbewerbsdrucks blickt das Unternehmen vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Die Geschichte der Firma begann 1992: Hartmut Egle startete als Einzelunternehmer mit dem Schwerpunkt Draht- und Senkerodieren. Mit diesem hochpräzisen Fertigungsverfahren, viel Einsatz, technischem Know-how und einem klaren Qualitätsanspruch entwickelte sich daraus Schritt für Schritt ein leistungsfähiger Betrieb.
Heute wird Egle von einem erfahrenen Team unterstützt. Betriebsleiter Andre Klein, Fertigungsleiter Marius Michna, einst selbst Auszubildender im Unternehmen, sowie Christoph Giebel, Verantwortlicher für Angebots- und Auftragsabwicklung, stehen beispielhaft für die Verbindung von Erfahrung und Nachwuchsförderung.
Ein Meilenstein war der Bau der modernen Fertigungshalle im Gewerbegebiet „Hinterm Liesch“ im Jahr 2003. Rund 1.200 m² Produktionsfläche sowie ein separates Büro- und Sozialgebäude bildeten die Grundlage für weiteres Wachstum. 2013 wurde in direkter Nachbarschaft eine zweite gleichgroße Fertigungshalle errichtet, die heute unter anderem als Materiallager dient und für weitere Expansion in der Zukunft schon bereit steht. Bis dahin wird sie aktuell noch untervermietet. Auch unternehmerischer Mut gehört zur Geschichte: 2019 übernahm Egle einen Werkzeugbaubetrieb aus Freudenberg und baute diesen als WTM Werkzeugbau GmbH neu auf.
Heute erwirtschaftet das Unternehmen rund die Hälfte seines Umsatzes im klassischen Werkzeugbau, die andere Hälfte in der Lohnfertigung. Diese Kombination sorgt für Flexibilität und macht das Unternehmen weniger abhängig von einzelnen Branchen. Neben der Automobilindustrie zählen mittlerweile auch Kunden aus dem Maschinenbau, der Lebensmittelindustrie sowie aus den Bereichen Umwelt und Recycling zum Kundenstamm. Grundsätzlich zeigt sich Egle offen gegenüber weiteren Branchen und neuen Herausforderungen.
Das Leistungsspektrum reicht von der Entwicklung und Herstellung komplexer Werkzeuge bis hin zur präzisen Fertigung von Einzelteilen und Kleinserien. Besonders hervorzuheben ist die große Fertigungstiefe: Vom Fräsen über Drehen und Schleifen bis hin zum Draht- und Senkerodieren sowie Wasserstrahlschneiden können nahezu alle Arbeitsschritte im eigenen Haus abgebildet werden. Der moderne Maschinenpark umfasst unter anderem mehrere CNC-Fräsmaschinen, darunter auch fünfachsige Anlagen für hochkomplexe Bearbeitungen, sowie Erodier-, Dreh- und Schleiftechnik. Ein Highlight ist die Wasserstrahlschneideanlage mit 3.600 bar Hochdrucktechnik und einem Schwenkkopf, der nahezu jedes Material präzise schneiden kann.
Ein weiterer Bestandteil sind eigene Transportfahrzeuge als integrierte Logistiklösung, die kurzfristige und schnelle Lieferungen ermöglichen, gemäß dem Prinzip „Alles aus einer Hand“.
Gleichzeitig setzt das Unternehmen konsequent auf Prozessoptimierung. So konnte durch die Zentralisierung der Werkzeugausgabe eine deutliche Kostenersparnis erzielt werden. Digitale Systeme zur Betriebsdatenerfassung und Maschinenprogrammierung sorgen zusätzlich für Transparenz und Effizienz in der Fertigung.
Die Herausforderungen für den deutschen Werkzeugbau sind groß. Wie der Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) betont, sieht sich die Branche mit rückläufigen Produktionszahlen, sinkenden Margen und wachsendem internationalem Wettbewerb konfrontiert. Für Unternehmen wie Egle bedeutet das vor allem eines: sich neu aufzustellen. Die strategische Erschließung neuer Märkte, eine flexible Fertigungsstruktur und kontinuierliche Investitionen in Technik und Prozesse sind zentrale Bausteine, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Trotz aller Herausforderungen bleibt Hartmut Egle gelassen. Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass Wandel nicht nur Risiko, sondern auch Chance ist. Mit einem engagierten Team von rund 18 Mitarbeitern, moderner Technologie und klarer strategischer Ausrichtung sieht sich das Unternehmen gut gerüstet für die Zukunft. Oder, wie es im Betrieb selbst heißt: „Heute gebracht – morgen gemacht.“ Ein Leitsatz, der nicht nur für Schnelligkeit steht, sondern auch für eine Haltung, die den Unterschied macht.

